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09.03.2017 Brustkrebsforschung: Sterblichkeitsrate gesunken & individuelle Therapien in den Startlöchern

Prof. Michael Gnant

Immer weniger Frauen sterben an den Folgen einer Brustkrebserkrankung. Das ist ein Erfolg, der auf die verbesserte Früherkennung und die Weiter- und Neuentwicklung von Therapien zurückzuführen ist. Im Rahmen der St. Gallen Breast Cancer Conference, die vom 15. – 18. März im Austria Center Vienna stattfindet, beschließen internationale Top-ExpertInnen in einem konsensualen Verfahren Therapieempfehlungen, die dann weltweit im klinischen Alltag als Leitlinien für die Brustkrebstherapie herangezogen werden.

  • Anzahl der Neuerkrankungen stagniert; 80% der Patientinnen im frühen Erkrankungsstadium können geheilt werden 
  • Genetische Vorbelastung wird überschätzt: nur ca. 5% der Brustkrebserkrankungen sind gesichert genetisch bedingt

  • Brustentfernung ist kein Allheilmittel, sondern brusterhaltende Operation ist Standard der Therapie: Vorsorge ernst nehmen statt Panikmache in den Medien

  • Individuelle Behandlung statt Übertherapie als zentrales Thema bei der 15th St. Gallen Breast Cancer Conference

Brustkrebs in Zahlen – Neuerkrankungen, Therapie und Sterblichkeit
Jährlich gibt es in Österreich um die 5.200 Brustkrebs-Neuerkrankungen, 98 Prozent davon sind Frauen, ca. 2% Männer. Nach der deutlichen Zunahme in den letzten 60 Jahren ist die Zahl der Neuerkrankungen in den letzten drei Jahren stagnierend. Gründe dafür sind die Steigerung des öffentlichen Bewusstseins für Vorsorge und der kontrollierte Umgang mit Hormonersatztherapien in den Wechseljahren. Zudem können 80% der im Frühstadium  erkrankten Personen durch interdisziplinäre Therapiekonzepte geheilt werden, was zur Folge hat, dass die Sterblichkeit bei BrustkrebspatientInnen in den letzten 30 Jahren um ein Drittel gesenkt wurde.

Brustentfernungen als präventive Maßnahme?
„Auch wenn man immer wieder von jungen Frauen hört, die an Brustkrebs erkrankt sind, ist der Hauptanteil an Betroffenen in der Regel über 70 Jahre alt. Gründe sind unter anderem der westliche Lebensstil, weniger Kinder pro Frau aber auch die Hormonüberflutung, z.B. bei Wechselbeschwerden, der jedoch in den letzten Jahren entgegengesteuert wurde,“ so Michael Gnant, Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien und des AKH Wien sowie Präsident der Austrian Breast and Colorectal Cancer Study Group (ABCSG). Grundsätzlich ist die Erkrankung nur bei etwas 5% der Frauen auf eine gesicherte  genetische Vorbelastung zurückzuführen.

Durch die mediale Aufmerksamkeit für solche vorbelasteten Frauen wie Angelina Jolie steigt die Nachfrage nach Brustentfernungen. Dies sei aber – außer bei gesichertem Vorliegen eines relevanten Brustkrebsgens - keine Vorsorge, so Gnant: „Eine so radikale Operation ist immer eine körperliche und seelische Belastung, daher raten wir in den meisten Fällen davon ab. Grundsätzlich ist es leider so, dass Brustkrebs kaum zu „verhindern“ ist, aber in 95% der Fälle früh erkennbar.“ Daher empfiehlt er angemessene Vorsorgeuntersuchungen, ohne sich von Hysterie anstecken zu lassen. Dazu gehören eine monatliche Selbstuntersuchung, eine jährliche ärztliche Untersuchung und eine Mammografie zumindest alle 2 Jahre ab dem fünfzigsten Lebensjahr. Eine mammografische Basisuntersuchung bei Frauen Mitte 30 ist eine weitere präventive Maßnahme. „Wichtig ist es, seinen Körper zu kennen und bei Veränderungen oder Beschwerden zum Arzt zu gehen. Die Verweigerung der Bedeutung der Krankheit ist genauso kontraproduktiv wie zu viele Sorgen.“

Trend: Individuelle Behandlung statt Übertherapie
In über 90 Prozent der Fälle ist eine brusterhaltende Operation Teil des interdisziplinären Gesamttherapieplans bei Brustkrebserkrankungen. Aber auch die Lebensqualität der PatientInnen ist von großer Bedeutung für die Forschung. Der Trend geht daher weg von der allgemeinen Standardtherapie hin zur Therapie von Subtypen von Krebs. Ziel ist zum Beispiel PatientInnen mit „Duktalem Karzinom in situ“ (DCIS), also einem Tumor, der noch auf die Milchgänge beschränkt und so gut zu operieren ist. Es gilt, den Betroffenen alle nicht unbedingt notwendigen Therapien zu ersparen.
„Es gibt grundsätzlich eine Entwicklung der Onkologie zu individuellen Behandlungen. Die Brustkrebsforschung hat hier sicher eine Vorreiterrolle in der Onkologie insgesamt inne. Die sogenannte Übertherapie, also ein unkritisches Einsetzen von Medikamenten oder Strahlentherapie, bringt für die Betroffenen oft massive Nebenwirkungen ohne therapeutischen Nutzen. Wir hinterfragen am Kongress daher gemeinsam mit internationalen ExpertInnen, wie die optimale Therapie von operativ gut behandelbaren Tumoren gestaltet sein muss. Ziel ist langfristig, Brustkrebs-Fälle genauer in biologische Subtypen zu unterteilen, um diejenigen besser herausfiltern zu können, die nach der Operation keine weitere Therapie mehr benötigen. Mit Hilfe von Studien versuchen wir so nicht nur Heilungsraten zu verbessern, sondern diese auch besser anzupassen, “so Gnant, der auch einer der Vorsitzenden der Konferenz ist.

Rund 5.000 Top-ExpertInnen für Brustkrebs aus aller Welt tagen im Austria Center Vienna
Österreich wird nicht umsonst als „Mekka der klinischen Brustkrebsforschung“ bezeichnet –mit über 25.000 TeilnehmerInnen an klinischen Forschungen in den letzten 30 Jahren ist das Land nicht nur ein Top-Behandlungsstandort sondern verfügt auch über ein breites nationales Forschungsnetzwerk. „Wir sind sehr stolz, dass wir den Brustkrebskongress nach Wien in das Austria Center Vienna holen konnten. Es ist ein Zeichen, dass die Expertise der Österreichischen SpezialistInnen auch international anerkannt ist, was uns sehr freut“, sagt Michael Gnant.

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Pressetext
Saal ABC Kongress mit TeilnehmerInnen (c) IAKW-AG, Ludwig Schedl
Panorama Austria Center Vienna (c) IAKW-AG
Prof. Dr. Michael Gnant (c) Michael Gnant



Über die IAKW-AG
Die IAKW-AG (Internationales Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien, Aktiengesellschaft) ist verantwortlich für die Erhaltung des Vienna International Centre (VIC) und den Betrieb des Austria Center Vienna. Das Austria Center Vienna ist mit 24 Sälen, 180 Meetingräumen sowie rund 22.000 m2 Ausstellungsfläche Österreichs größtes Kongresszentrum und gehört zu den Top-Playern im internationalen Kongresswesen. Die IAKW-AG und damit das Austria Center Vienna stehen unter der Leitung von Vorständin Dr. Susanne Baumann-Söllner. 

Kontakt
IAKW-AG – Austria Center Vienna
Mag. Elena Hajek
Pressesprecherin                                           
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