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15.03.2016 , KrankenhausapothekerInnen: Offensive für breitere krankenhauspharmazeutische Versorgung der Spitals-PatientInnen und mehr Arzneimitteltherapie-Sicherheit

Dr. Stemer

Forderung: Nur rund 17 Prozent aller heimischen Spitäler verfügen derzeit über eine eigene Krankenhausapotheke. Spitalsapotheker Dr. Gunar Stemer: „Wir brauchen zum Wohl der PatientInnen eine flächendeckende krankenhauspharmazeutische Versorgung.“

Projekt im Wiener AKH beweist: Durch den KrankenhausapothekerInnen auf der Station können Probleme in der Arzneimitteltherapie besser erkannt und zum Wohle der PatientInnen gelöst werden.

Dr. Gunar Stemer: „Österreich ist derzeit mit Spitals-ApothekerInnen unterversorgt und das obwohl wir eine wichtige Rolle beim Heilungs-Verlauf der PatientInnen einnehmen. Das soll sich zum Wohl der Kranken jetzt ändern.“ Vom 16. bis 18. März diskutieren über 3.500 internationale KrankenhausapothekerInnen Aufgaben, neue Technologien und die Notwendigkeit eines partnerschaftlichen Behandlungsansatzes beim Kongress der Europäischen Vereinigung der KrankenhausapothekerInnen (European Association of Hospital Pharmacists, EAHP) im Austria Center Vienna.

Die Eckpunkte im Detail:

  • In Österreich haben nur 17% aller Krankenhäuser eine eigene Apotheke – flächendeckende krankenhauspharmazeutische Versorgung wird gefordert.

  • Österreich ist mit 0,6 KrankenhausapothekerInnen pro 100 PatientInnen europaweit auf dem 7.-letzten Platz. Andere europäische Länder wie zum Beispiel England, Norwegen oder Schweden liegen mit mehr als dreimal soviel KrankenhausapothekerInnen pro 100 PatientInnen deutlich voran.

  • Beachtlicher Erfolg eines Projektes der Wiener Gesundheitsreform: KrankenhausapothekerInnen machten bei betreuten PatientInnen rund 3.800 Vorschläge zur Verbesserung ihrer Arzneimitteltherapie, von denen 85% umgesetzt wurden.

Es ist eine Forderung, der jede/r SpitalspatientIn in Österreich sofort zustimmen wird. Dr. Gunar Stemer, Leiter der Abteilung Arzneimittelinformation und Klinische Pharmazie am AKH, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Krankenhausapotheker und Mitglied des Scientific Commitee der European Association of Hospital Pharmacists: „Wir wollen, dass in Zukunft jeder Patient bzw. jede Patientin von den Serviceleistungen einer Krankenhausapotheke während seiner Behandlung im Krankenhaus profitieren kann. Wir sorgen dafür, dass lebenswichtige Medikamente im Krankenhaus verfügbar sind, stellen selbst Medikamente her und beraten und informieren zu den vielen Arzneimitteln, zur richtigen Einnahme und zu Neben- und Wechselwirkungen.“

PatientInneninformation sorgt für bessere Therapieerfolg

Die KrankenhausapothekerInnen sind als klinische PharmazeutInnen vor Ort auf den Stationen. Hier kümmern sie sich auch um eine umfassende Information der PatientInnen über ihre Medikamente. International ist das ein wesentlicher Bestandteil des Patient Empowerments, also das Einbinden der PatientInnen und die Stärkung von Fähigkeiten der Gesundheitskompetenz. Die KrankenhausapothekerInnen informieren dabei die PatientInnen gezielt über die Wirkung, die richtige Einnahme sowie potentielle Neben und Wechselwirkungen der Medikamente. „Durch das so aufgebaute Vertrauen schlägt die Therapie oft besser an, weil die PatientInnen ihre Medikation besser kennen. Dies führt dazu, dass sie ihre Arzneimittel auch richtig und regelmäßig einnehmen. Und nur so wirken diese.“, betont Stemer.

Fehldosierungen können vermieden werden

Durch eine genaue und vollständige Arzneimittelerfassung und durch einen Medikationscheck der klinischen PharmazeutInnen wird auch sichergestellt, dass individuelle Bedürfnisse der PatientInnen bei ihrer Medikation gezielt berücksichtigt werden können. So können zum Beispiel Über- oder Unterdosierungen sowie der Einsatz von nicht mehr notwendigen Präparaten besser erkannt und vermieden werden. „Das erhöht natürlich die Sicherheit für die PatientInnen enorm“, so Stemer.

Wichtiges Projekt der Wiener Gesundheitsreform: Rund 85% der Therapievorschläge der klinischen Pharmazeuten werden angenommen und umgesetzt.

Im AKH Wien begleiten klinische PharmazeutInnen seit mehr als einem Jahr Stationen der Herzchirurgie, Kieferchirurgie und Unfallchirurgie. „Wir sind hier nicht nur in der Medikationsüberprüfung und der Organisation der Arzneimittel involviert, sondern nehmen an Visiten teil, unterstützen das ärztliche und pflegerische Personal und führen beratende Gespräche mit den PatientInnen“, so Stemer. Vor allem die Abschlussgespräche kurz vor der Entlassung zeigten sich als besonders wichtig. Hierbei konnten gezielt Fragestellungen und Missverständnisse der PatientInnen geklärt werden und bei komplexerer Medikation spezielle Einschulungen vorgenommen und praktische Umsetzungstipps für den Alltag gegeben werden. Die Ergebnisse des Pionierprojektes lassen sich sehen – von den rund 3.800 Vorschlägen zu Therapieverbesserungen im stationären Bereich wurden 85% umgesetzt. „Darauf sind wir stolz. Das Projekt wurde nun verlängert und auf andere Stationen ausgeweitet“, freut sich der erfahrene Krankenhausapotheker und klinische Pharmazeut.

Individuell hergestellte Arzneimittel als wesentlicher Beitrag zur individualisierten Therapie

Unterstützung durch die KrankenhausapothekerInnen ist aber auch dann gefragt, wenn es keine Fertigpräparate gibt oder bei Hochrisikomedikamenten, wo besondere Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden müssen und eine individuelle Dosierung notwendig ist. „In Krankenhäusern ohne KrankenhausapothekerInnen können wir zum Beispiel das Pflegepersonal mit unseren Dienstleistungen nicht unterstützen oder entlasten. Beratung zur richtigen Verabreichung und Anwendung von Medikamenten ist oft ein entscheidender Faktor in der PatientInnenbehandlung“ so Stemer.

Hilfe durch die Krankenhausapotheke bei Lieferengpässen

Immer häufiger sind KrankenhausapothekerInnen und –ärzte mit Lieferengpässen konfrontiert. Die SpitalsapothekerInnen kümmern sich dann um die Suche, Auswahl und Beschaffung von Ersatzmedikamenten, um die Therapien für Patienten weiterhin anbieten zu können. Mitunter wird in der Krankenhausapotheke zur Überbrückung von Lieferengpässen auch selbst hergestellt. Stemer: „Durch eine fachgerechte Herstellung von Arzneimitteln durch die Krankenhausapotheke tragen wir zu einer hohen Versorgungssicherheit bei. Behandlungen können weiter angeboten werden.“

Optimierte tägliche Arbeit durch neue technologische Entwicklungen

Zusätzlich sieht er es als Aufgabe von KrankenhausapothekerInnen, sich laufend über technologische Neuerungen zu informieren. Abhängig von der Technologie können damit zum Beispiel ÄrztInnen und das Pflegepersonal unterstützt werden, aber auch die tägliche Arbeit in der Krankenhausapotheke optimiert oder gar vereinfacht werden. Beispiele für solche Technologien sind etwa Mobile Health Apps, Clinical Decision Support Systeme oder neue Produktionsroboter und spezielle Lagertechnologien in den Krankenhausapotheken.

Arbeit an flächendeckender Versorgung in Österreich

Derzeit ist in Österreich in 46 von 279 Krankenanstalten eine eigene Krankenhausapotheke eingerichtet; das sind nur 17 % aller österreichischen Krankenhäuser. In Österreich kommen im Durchschnitt 0,6 KrankenhausapothekerInnen auf 100 KrankenhauspatientInnen. Damit liegt Österreich im europäischen Vergleich auf den hinteren Plätzen. In den skandinavischen Ländern kann die Betreuung mit bis zu 2 KrankenhausapothekerInnen für 100 PatientInnen deutlich intensiver ausfallen. Daher setzt sich die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Krankenhausapotheker stark dafür ein, das Versorgungsnetzwerk zu erweitern. „Das ist besonders wichtig, weil wir mit ÄrztInnen, dem Pflegepersonal und PatientInnen sehr eng zusammenarbeiten und sie mit vielen unserer Dienstleistungen unterstützen. Die Krankenhausapotheke ist ein Qualitätsmerkmal eines Krankenhauses.“, so Stemer.

Über die EAHP
Die EAHP ist mit mehr als 18.000 KrankenhausapothekerInnen in 34 europäischen Ländern die europäische Gesellschaft für Krankenhausapotheker (European Association of Hospital Pharmacists). Sie veranstaltet jährlich den EAHP-Kongress, der heuer über 3.500 internationale Krankenhausapotheker nach Wien ins Austria Center Vienna zieht.

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Pressetext
Portrait Mag. Dr. Gunar Stemer (c) Robert Polster
Saal ABC Kongress mit TeilnehmerInnen (c) IAKW-AG, Ludwig Schedl


Über die IAKW-AG
Die IAKW-AG (Internationales Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien, Aktiengesellschaft) ist verantwortlich für die Erhaltung des Vienna International Centre (VIC) und den Betrieb des Austria Center Vienna. Das Austria Center Vienna ist mit 24 Sälen, 180 Meetingräumen sowie rund 22.000 m2 Ausstellungsfläche Österreichs größtes Kongresszentrum und gehört zu den Top-Playern im internationalen Kongresswesen. Die IAKW-AG und damit das Austria Center Vienna stehen unter der Leitung von Vorständin Dr. Susanne Baumann-Söllner. 

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IAKW-AG – Austria Center Vienna
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