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29.04.2016 30% aller Schulkinder – mehr als 300.000 Kinder in Österreich - leiden unter körperlichen oder psychosozialen Problemen, 10% sind in permanenter Behandlung; mehr Schulärzte und entsprechende Gegensteuerung gefordert  

Susanne Baumann-Söllner Bild vergrößern

Gewalt und Computerspiele, geistige, körperliche und psychologische Probleme unserer Schulkinder sowie allgemeine Möglichkeiten zur Förderung der Gesundheit in der Schule: Heute, am 29. April diskutieren mehr als 200 Schulärzte im Austria Center Vienna über die Schulgesundheit der 1,2 Mio. schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen in Österreich - denn erfolgreiches Lernen setzt Gesundheit und Leistungsfähigkeit voraus. 


Gewalt und Computerspiele, geistige, körperliche und psychologische Probleme unserer Schulkinder sowie allgemeine Möglichkeiten zur Förderung der Gesundheit in der Schule: Heute, am 29. April diskutieren mehr als 200 Schulärzte im Austria Center Vienna über die Schulgesundheit der 1,2 Mio. schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen in Österreich - denn erfolgreiches Lernen setzt Gesundheit und Leistungsfähigkeit voraus.

  • Bis zu 30 % aller Schulkinder leiden an körperlichen und psychischen Problemen. Bessere Diagnosen, Therapien und ein Fokus auf chronische Erkrankungen erhöhen Wahrscheinlichkeit auf erfolgreichen Abschluss der Ausbildung.
     
  • Einbindung in Schulgemeinschaften – Gutes Eltern-Kind-SchularztDreieck als beste Prophylaxe
  • 1 Wochenstunde Schularzt pro 60 Kinder an Bundesschulen, 1 jährliche Untersuchung bei Gemeindeschulen – Schulärzte fordern mehr Betreuungszeit für Kinder
  • „Gesundheit macht Schule“ – Prävention durch gesunde Schulbuffets, Bewegungsmöglichkeiten in den Pausen und Gesundheitsbildung notwendig
  • Beim 2. Kongress für Schulgesundheit aktiv gegen Internetkriminalität, Radikalismus und Essstörungen gegensteuern

Bis zu 30% aller Schulkinder leiden an körperlichen und psychischen Problemen

Derzeit besuchen in Österreich etwa 1,2 Mio. Kinder und Jugendliche die Schule. Etwa 30 % von ihnen – das sind mehr als 300.000 Kinder und Jugendliche – leiden während ihrer schulischen Laufbahn an gesundheitlichen Problemen. 10 % der betroffenen Schulkinder müssen sich sogar laufend einer Behandlung unterziehen. Dies liegt u.a. daran, dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben, die viele psychosoziale Herausforderungen an die Kinder und Jugendlichen stellt. 

„Ein Diagnostizieren von Störungen ist heute besser möglich als früher, viele Kinder sind früher einfach als Störenfried abgetan worden, viele haben dadurch schlechte schulische Leistungen eingefahren. Heute können wir Individuell auf das Kind eingehen und einen möglichst optimierten psychologisch oder familiär verhaltenstherapeutisch begleitenden Weg im Bedarfsfall einschlagen“, erklärt Dr. Judith Glazer, Präsidentin der Gesellschaft der Schulärztinnen und Schulärzte Österreichs (GSO). 

„Unser Ziel ist es darüber hinaus, ein besonderes Augenmerk auf Kinder mit chronischen Erkrankungen zu setzen und die notwendige Optimierung im Schulunterricht zu ermöglichen“, so Glazer. „Denn so erhöhen wir die Chancen deutlich, dass möglichst alle Kinder erfolgreich eine Ausbildung abschließen können.“

Gutes Eltern-Kind-Schularzt-Dreieck als beste Prophylaxe

Ganz wesentlich ist für Glazer die Einbindung der Schulärzte in die Schulgemeinschaft und der damit verbundene unmittelbare Kontakt zu SchülerInnen, PädagogInnen und Elternvereinen. Diese können sich bei Auffälligkeiten direkt an die Schulärzte wenden. 

Eine zentrale Rolle spielen natürlich auch die Eltern als Ansprechpersonen. Auch mit ihnen können Schulärzte direkt in Kontakt treten. Beim Auftreten von Problemen und Auffälligkeiten liegt es primär an den Eltern, rechtzeitig gegenzusteuern. Die Rolle der Schulärzte besteht darin, zu unterstützen. „Dabei braucht es aber auch die entsprechende Akzeptanz durch die Eltern, die Auffälligkeiten des Kindes und die angebotene Unterstützung nicht als Schwäche auszulegen, sondern diese als Hilfe zu einem positiven Weg zu sehen. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt“, betont Glazer. 

Wichtig ist daher, dass es im Rahmen der Schullaufbahn immer wieder Kontakte im Dreieck Eltern-Kind-Schularzt gibt. So kann in „unproblematischen“ Zeiten eine Beziehung aufgebaut werden, auf die im Problemfall zurückgegriffen wird.

Mehr Beratungszeit für Kinder gefordert

Für eine gute Betreuung ist aber deutlich mehr Anwesenheit der Schulärzte in den Schulen notwendig. „Der derzeitige Schlüssel „1 Wochenstunde Schularzt pro 60 Kinder“ in Bundesschulen ist dabei sehr knapp dimensioniert“, erklärt Glazer. „In einigen Fällen ist der Schularzt schon alleine deshalb so wichtig, weil Kinder von Seiten ihrer Familie keinen ärztlichen Zugang bekommen“, betont die Präsidentin der Gesellschaft der Schulärztinnen und Schulärzte Österreichs (GSO).

Damit ein Schularzt unterstützend eingreifen, Eltern und DirektorInnen Lösungsansätze bieten oder zu einer Therapie leiten kann, bedarf es zusätzliche Ressourcen, die über die allgemeine Betreuung hinausgeht“, so Glazer. Die Bundesschulen sind generell mit 550 SchulärztInnen jedoch schon besser aufgestellt als die Gemeindeschulen. Hier gibt es gar keine ausgewiesenen Schulärzte, denn in Gemeindeschulen betreuen die niedergelassenen Kinder bzw. Allgemeinärzte die Schulen mit. Allerdings ist das Ausmaß der Betreuung hier sehr gering, pro Jahr ist nur eine einzige schulärztliche Untersuchung der Kinder vorgesehen. „Hier wäre zumindest die Anpassung an den Betreuungsschlüssel der Bundesschulen wichtig“, fordert Glazer.

„Gesundheit macht Schule“ – die Präventionsoffensive 

Generell können gesundheitliche Veränderungen durch regelmäßige präventive Untersuchungen frühzeitig angesprochen werden und durch eine entsprechende Therapie – von orthopädischen Maßnahmen bis hin zu Präventionsmaßnahmen gegen Diabetes – ein späterer Schaden vermieden werden. Das hilft nicht nur den Kindern langfristig, sondern erspart dem Leistungsträger auf lange Sicht entsprechend hohe Kosten bei der Behandlung von Spätfolgen. Zusätzlich tragen Präventivmaßnahmen oft entscheidend zum schulischen Erfolg bei. „Denn Kinder müssen sich in der Schule wohlfühlen, um gut arbeiten zu können. Sie brauchen einen Platz, an dem sie gerne und erfolgreich lernen. Dazu gehört natürlich auch eine positive Lebenseinstellung, die sie dann in ihr weiteres Leben mitnehmen“, unterstreicht Glazer.

Dazu zählen neben der Prävention auch die Gesundheitsförderung aus dem Umfeld, wie gesunde Schulbuffets – hier gibt es schon viele Pilotprojekte, eine österreichweite Leitlinie existiert allerdings noch nicht - und ausreichende Bewegungsmöglichkeiten in den Pausen. Zusätzlich müssen die Schüler aber auch Zugang zu Gesundheitsbildung haben, um Verständnis und Eigenverantwortung entwickeln zu können. Biologie als Unterrichtsfach spielt dabei eine zentrale Rolle, allerdings gibt es mittlerweile eine Reihe an Schulen, in denen Biologie nicht mehr am Lehrplan steht, wie z. B. in den Höheren Berufsbildenden Schulen. „Damit vergeben wir uns aber eine ganz wesentliche Möglichkeit, Schülern in ihren „bewegtesten“ Jahren, wo aufgrund der körperlichen und psychischen Entwicklung die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper ganz wichtig ist, über eine neutrale Plattform Informationen mitzugeben.“, so Glazer. „Nicht unterschätzt werden darf, dass Kinder und Jugendliche Gesundheitsthemen auch nach Hause tragen und dort zu einem Umdenken anregen.“

Auswertung der Schulgesundheitsdaten für professionelle Gegensteuerung

Die Präsidentin der GSÖ sieht Österreich im internationalen Vergleich zwar nicht schlecht aufgestellt, allerdings besteht gerade bei der Auswertung der erhobenen Daten noch viel Luft nach oben: „In vielen Ländern werden die Schulgesundheitsdaten ausgewertet und entsprechend rechtzeitig in einem passenden Ausmaß gegengesteuert, z.B. mit Gesundheitsprojekten. Das scheint in Österreich nicht erwünscht zu sein, bzw. entsteht sogar der Eindruck, dass eine Auswertung sogar blockiert wird“, so Glazer.

„Gesundheit hängt unmittelbar mit Leistung und Erfolg zusammen, daher ist es wichtig rechtzeitig Tendenzen für gesundheitliche Schäden zu erkennen und weitblickend entgegenzusteuern. Schulärztinnen und Schulärzte leisten hervorragende Arbeit. Ihr Ziel ist es, sich stärker zu vernetzen, Schülerinnen und Schüler in ihrer Schullaufbahn bestens zu unterstützen und ihnen damit das Werkzeug für einen gesunden Erwachsenen in die Hand zu geben“, betont Glazer abschließend. 

Aktiv gegen Internetkriminalität, Radikalismus, und Essstörungen

Der von der GSÖ veranstaltete Kongress hat es sich zum Ziel gesetzt, schulrelevante Gesundheitsthemen aufzugreifen und diese praxisnah zu behandeln. Gerade in Bereichen wie den neuen Medien, PC Spielen und deren Auswirkungen auf die Schüler ist es wichtig, immer up to date zu sein. „Schulärzte müssen den Kindern auf Augenhöhe begegnen können, sie müssen die Faszination verstehen und gleichzeitig die Auswirkungen erkennen und bei Verhaltensänderungen reagieren können. Dazu bedarf es eines Dialoges mit seriösen Experten, die sich umfassend mit den Themen beschäftigen“, weiß Glazer.

Weitere Kernthemen der Konferenz sind Essstörungen, Störungen des Bewegungsapparates und Möglichkeiten diesen frühzeitig gegenzusteuern sowie Autismus-Spektrum-Störungen und der Umgang mit Radikalismus und Internetkriminalität

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Pressetext
Dr. Judith Glazer (c) GSÖ
Austria Center Vienna (c) IAKW-AG, Marius Höfinger
Dr. Susanne Baumann-Söllner (c) IAKW-AG, Andreas Hofer



Über die GSÖ
Die Gesellschaft der Schulärztinnen und Schulärzte versteht sich als uneigennützige Interessensgruppe der Schulärztinnen und Schulärzte Österreichs und nimmt sich Gesundheitsthemen, die Kinder und Jugendliche im Schulalter betreffen, an. Die Zusammenarbeit mit Pädagoginnen und Pädagogen ist ihnen im Rahmen dessen ein sehr großes Anliegen. Am 29. April veranstaltet die GSÖ im Austria Center Vienna den 2. Kongress für Schulgesundheit. 

Über die IAKW-AG
Die IAKW-AG (Internationales Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien, Aktiengesellschaft) ist verantwortlich für die Erhaltung des Vienna International Centre (VIC) und den Betrieb des Austria Center Vienna. Das Austria Center Vienna ist mit 24 Sälen, 180 Meetingräumen sowie rund 22.000 m2 Ausstellungsfläche Österreichs größtes Kongresszentrum und gehört zu den Top-Playern im internationalen Kongresswesen. Die IAKW-AG und damit das Austria Center Vienna stehen unter der Leitung von Vorständin Dr. Susanne Baumann-Söllner. 

Kontakt
IAKW-AG – Austria Center Vienna
Mag. Elena Hajek
Pressesprecherin                                           
+43-1-26069-386
elena.hajek@acv.at