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15.04.2016 EGU: mehr Zusammenarbeit bei Hochwasserschutz, Umdenken beim Einsatz von Ressourcen und Verhinderung von Asteroideneinschlägen  

Hans Thybo

Breite Palette von gigantischen Meereskratern als Indikatoren für Methangasentweichungen bis hin zum AIM-Experiment zur Verhinderung von Asteroideneinschlägen auf der Erde: Vom 17. bis 22. April tauschen sich an die 13.000 internationale Fachleute bei der europäischen Jahrestagung der Geowissenschaftler (EGU) im Austria Center Vienna aus. Unter dem Motto „Active Planet“ vereinen Experten aller Disziplinen ihr Fachwissen, es gibt mehr als 16.000 Präsentationen. 50% der Teilnehmer sind Jungforscher. Zahlreiche Themen haben ÖsterreichRelevanz. 

  • Hochwassergefahr –mehr Investitionen in überregionale Schutzmaßnahmen gefordert; Best Practise: 66 Mio.-Euro-Projekt in Tirol.

  • 1 ° Wärmeanstieg weltweit: Trockenperioden in Wald- und Weinviertel, Burgenland und Kärnten machen Wasser-Verbundnetze notwendig.

  • Verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen: pro Smartphone werden rund 75 Elemente, davon auch viele seltene Edelmetalle benötigt – ein herkömmliches Telefon verbraucht nur wenige Erdmetallressourcen. Wissenschaftler suchen Alternativen.

  • Top-Themen der internationalen Pressekonferenz:
    • Die Welt retten – Wie können wir drohende Asteroideneinschläge verhindern?
    • Eisrückgang in der Arktis – die neuesten Zahlen, Daten und Fakten und Auswirkungen
    • Meeresbodenkrater in der Arktis – Enthüllung neuester Entdeckungen und Erkenntnisse 

Top-Themen Österreich:
Hochwasseralarm – alleine 66 Mio. Euro für Schutzmaßnahmen in Tirol

„Extremer Niederschlag muss nicht immer zu Hochwasserschäden führen. Hochwasseralarm bedeutet auch, dass im Vorfeld Versäumnisse passiert sind. Das kann viele Ursachen haben – vom Verbauen der Überflutungsflächen unserer Flüsse bis hin zum fehlenden Rückhalt des Wassers in den Einzugsgebieten. Wir müssen daher viel breiter in Richtung Ursachenbekämpfung denken, entsprechend früher ansetzen und Bedingungen schaffen, die das Risiko eines Hochwassers verringern“, so Univ.-Prof. DI Dr. Günter Blöschl, Vize-Präsident der European Geosciences Union und Vorstand des Institutes für Wasserbau und Ingenieurhydrologie an der TU Wien. Daher fordert er, dass bereits vorab massiv in überregionale Risikoplanung, in Schutzprojekte und in die Reaktivierung von Abflussräumen investiert wird. 

Ein aktuelles Musterbeispiel, das Forschung und konkrete vorbeugende Maßnahmen verbindet, findet für Blöschl derzeit in Tirol statt. Hier investieren das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft gemeinsam mit dem Land Tirol und den betroffenen Gemeinden mehr als 66 Mio. Euro in Schutzmaßnahmen. Über die Hälfte davon (37,6 Mio. Euro) fließen in den direkte Maßnahmen wie flexible Hochwasser- und Wildbachverbauungen. Die anderen Maßnahmen setzen bei der Prävention an: 18 Mio. Euro in die Erhaltung des Schutzwaldes, 7,1 Mio. Euro in Lawinenschutz-Verbauungen (oder Lawinenverbauungen) und 3,7 Mio. Euro in Erosions- und Steinschlagschutz. Die TU Wien mit ihrem Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie unter der Leitung von Prof. Blöschl hat dafür federführend eine Studie über die Möglichkeiten des Hochwasserrückhalts in den Einzugsgebieten Tirols erstellt. Ziel ist es, zu berechnen, in welchen Teilen Tirols das Hochwasser am effizientesten zurückgehalten werden kann, genau dort wo es entsteht. „Das Neue ist die überregionale Planung solcher Maßnahmen. Damit kommen weniger Wassermengen in die Flüsse und wir können viele Hochwässer damit abschwächen“, betont Blöschl.

Musterprojekte wie jenes von Tirol können in der Regel innerhalb von 2 Jahren umgesetzt werden. Dringend notwendig sind weitere Maßnahmen zur Sicherung der Lebens-, Siedlungs- und Wirtschaftsräume. Oberösterreich und Bayern arbeiten beispielsweise derzeit gemeinsam an einem ähnlichen Hochwasser-Schutzprojekt. „Das ist ganz wesentlich, denn die Hochwassersituation an der oberösterreichischen Donau ist ganz stark davon abhängig, wie viel Wasser via Donau und Inn aus Bayern kommen, und ob das gleichzeitig oder zeitverschoben passiert“, so Blöschl. „Ganz essentiell ist, dass die Wissenschaft und die öffentliche Hand stark zusammenarbeiten, denn nur so können die neuesten Forschungsergebnisse in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden“, betont er. Hier übernimmt die TU Wien eine Schlüsselrolle. In dem oberösterreichischbayerischen Projekt untersucht sie beispielsweise, ob die Hochwässer am Inn und an der Donau vermehrt gleichzeitig auftreten. In einem Projekt des European Research Councils untersucht sie, ob Hochwässer generell in Europa größer werden.

1° Wärmeanstieg führt zu temporärer Wasserknappheit

Klimaerwärmung findet auch in Österreich statt. In den letzten 10 Jahren sind die Temperaturen bereits um durchschnittlich ca. 1° angestiegen. Das hat Auswirkungen auf die Wassertemperatur sowie auf die Wasserqualität generell. „Lebensräume können sich dadurch verschieben. Das sieht man schon im Gebirge anhand der Baumgrenze, die durch die Klimaänderung nach oben rückt“, erklärt Blöschl. „Es ist auch mit stärkeren temporären Trockenperioden in einzelnen Regionen zu rechnen, wie etwa im Waldviertel, Weinviertel, dem Burgenland und dem östlichen Kärnten“, gibt der renommierte Geowissenschaftler zu bedenken. Hinzu kommt, dass Landwirtschaft und Gebäudekühlanlagen den Wasserbedarf erhöhen.

Folglich kann es für einzelne Wasserversorgungssysteme leicht zu Engpässen kommen, eine verstärkte Zusammenarbeit von Wasserversorgungssystemen – wie es bei einem Wasserverbundsystem der Fall ist – wird notwendig. Mehrere unabhängige Wasserbezugsquellen werden hier miteinander verbunden und schaffen durch ihre geografische Verteilung eine größere Versorgungssicherheit. Zudem kann auch durch vermehrte Wasserspeicherung – durch Rückhalt und Anreicherung – sowie durch Reduktion des Wasserbedarfs beispielsweise durch effizientere Bewässerungsmethoden – die Versorgungssicherheit gesteigert werden.

Derzeit sind mehr als 3/4 der Haushalte in Österreich an ein Wasserverbundsystem angeschlossen. Die 14 größten Wasserversorgungsunternehmen versorgen 4 Millionen Einwohner. „Prinzipiell sind wir in Österreich als besonders Wasser reiches Land sehr gut aufgestellt. Wir müssen uns daher nicht vor Wasserknappheit fürchten, wie es in anderen Ländern der Fall ist – immerhin bis 2100 werden voraussichtlich weltweit 2 Milliarden Menschen durstig sein“, betont Blöschl.

„Active Planet“ – langfristige Sicherung unserer Lebensqualität

Die Welt ist buchstäblich permanent „in Bewegung“, das Magnetfeld der Erde ändert sich beispielsweise im Sekundentakt. Geowissenschaftliche Phänomene greifen ineinander bzw. beeinflussen einander und haben insbesondere in Kombination gravierende Auswirkungen auf die Lebensräume der Welt. Eine integrative Betrachtungsweise dieser Phänomene ist daher etwa für die Bewertung von Hochwässern und Trockenperioden wichtig. „Geowissenschafter sind Spezialisten auf ihrem jeweiligen Gebiet - von der Vulkanismus- bis zur Weltraumforschung, berücksichtigen dabei aber immer auch die Auswirkungen auf andere Lebenswelten. Sie tragen daher wesentlich zum Verständnis bei, wie Klimawandel, Energie- und Wasserversorgungsprobleme, Naturkatastrophen sowie Ressourcenknappheit zusammenhängen“, so EGU-Präsident Univ.-Prof. Dr. Hans Thybo, der auch VizePräsident der „Royal Danish Academy of Sciences and Lettres” ist. „Gerade dieses interdisziplinäre Denken und Arbeiten steckt für uns im Motto „Active Planet“, das wir uns für den heurigen EGU-Kongress gesetzt haben“, so Günter Blöschl. Auch für Thybo ist „Active Planet“ ein Sammelbegriff für die große Anzahl an Aktivitäten auf der Erde und im gesamten Universum. Ziel ist es auch, den Menschen mögliche Auswirkungen von neuen Verhaltensweisen und damit z.B. auch von bestimmten Konsumverhalten vor Augen zu führen und sie dadurch zu einem verantwortungsbewussteren Umgang mit bestehenden Ressourcen anzuregen. „Die moderne Gesellschaft ist sich z.B. sicherlich nicht im Klaren, um wieviel mehr an Ressourcen die Produktion von Smartphones gegenüber herkömmlichen, früher üblichen, Telefonen benötigen. Für ein einziges Smartphone werden über 75 Bestandteile, davon eine große Menge von wertvollen seltenen Erdmetallen benötigt, ein herkömmliches Telefon verbraucht nur wenige Erdmetallressourcen. Wir müssen uns überlegen, wie wir die aktuelle Nachfrage an Smartphones angesichts von knappen Ressourcen schaffen können und in welche Richtung wir uns daher weiterentwickeln müssen“, erklärt Thybo. Dafür arbeiten Geowissenschaftler aus verschiedensten Disziplinen mit Geo-Chemikern, Geo-Physikern und Petrologen zusammen, um solche Vorfälle aufzudecken, das Maß ihrer Auswirkungen auf die Ressourcen einzuschätzen und gemeinsam Umplanungen im Sinne des Umweltschutzes vorzunehmen. „Active Planet“ steht auch für die Suche nach anderen Planeten, auf denen Leben generell und insbesondere auch menschliches Leben möglich wäre, um angesichts der aktuellen Demographie für die Zukunft weitere Lebensräume zu schaffen. Beispielsweise wurde auf dem Mars bereits Wasser gefunden – dies gilt als ein wichtiger Faktor dafür, das Leben dort möglich sein könnte. Die Zielrichtung dieser Forschungen orientiert sich an den jeweiligen Beweisen, die vor Ort auf den Planeten gefunden werden:

Sowohl Thybo als auch Blöschl sehen die Aufgabe der Geowissenschaftler und des EGU-Jahreskongresses auch darin, sich mit den Themen auseinanderzusetzen und praktische Lösungen zu finden, um die Lebensqualität so lange wie möglich zu sichern. So gibt es am EGU eigene Sessions, bei denen sich die einzelnen Fachdisziplinen ihre Ergebnisse gegenseitig präsentieren und sich im Anschluss daran für gemeinsame Lösungen vernetzen.

EGU fördert Nachwuchstalente

Für EGU-Präsidenten Univ.-Prof. Dr. Hans Thybo ist es sehr wichtig, vor allem junge Nachwuchstalente, die am Anfang ihrer Forschungskarriere stehen, anzusprechen und mit ins Boot zu holen, folglich sind auch über 50% der TeilnehmerInnen an der EGU Jungwissenschaftler. „Das macht den Kongress zu einem Treffen, bei dem sich Zukunftsgeowissenschaftler untereinander und mit erfahrenen Geowissenschaftlern vernetzen können: eine Win Win-Situation für alle“, so Thybo. Gefördert werden KarriereStarter u.a. dadurch, dass sie mindestens einen Repräsentanten in den einzelnen Ratsversammlungen haben und dadurch aktiv das Programm mitgestalten. Zusätzlich gibt es seit vielen Jahren auch spezielle Angebote für Jungwissenschaftler, wie etwa Kinderbetreuung, die auch Nachwuchstalenten mit Kindern die vollwertige Teilnahme am Kongress ermöglichen. „Die Atmosphäre am EGU-Kongress ist von Vorträgen und Poster Sessions bis hin zu Diskussionen sehr offen – und daher besonders ansprechend für Jungwissenschaftler. Das liegt auch an dem besonderen Meeting-Design, das wir im Austria Center Vienna durch die zahlreichen Räumlichkeiten umsetzen können“, betont Thybo. Um dem Bedarf an möglichst viel Diskussion und Netzwerken gerecht zu werden, wird das Layout des Hauses quasi „gedreht“: Säle werden geteilt und auch die vielen kleineren Meetingräume für den interaktiven Wissensaustausch genutzt. Der größte Saal des Hauses und die Hallen dienen als Präsentationsfläche für die wissenschaftlichen Poster.

Pressekonferenzen der EGU 2016:

  • Auswirkungen und Kosten von Naturkatastrophen (Mo, 18. April, 12-13.00)
  • Vulkane, Klimawandel und Dürre: Belastungsprobe und/oder Kollaps der Gesellschaft (Di, 19. April 9.00-10.00)
  • Wie sich alte Organismen bewegen und ernähren: Details zu Fossilien (Di, 19. April, 11:00– 12:00)
  • Gigantische Meereskrater und blühende Faune: Methangasentweichungen in der Arktis (Di, 19. April, 12:30–13:30)
  • Jüngste Entwicklungen der AIM- & DART-Mission: Können wir Asteroiden von der Erde ablenken? (Mi,, 20. April, 12:00–13:00)
  • Erkennung von nuklearen Explosionen (Do, 21. April, 11:00–12:00)
  • Eisschmelze in der Arktis (Do, 21. April, 12:00–13:00)
  • Historische Verantwortung und Klimaeinflüsse des Paris Agreement (Do, 21. April, 13:30– 14:30)

Details zu den Themen finden Sie auf http://media.egu.eu/press-conferences/

Über die EGU
Die European Geosciences Union (EGU) ist Europas größte geowissenschaftliche Vereinigung, und beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Disziplinen der Geowissenschaften wie Erd-, Planeten- und Weltraumwissenschaften. 2002 gegründet, organisiert die EGU die jährliche Generalkonferenz – die EGU General Assembly. Sie ist die angesehenste geowissenschaftliche Veranstaltung in Europa und zieht jährlich über 12.000 Wissenschaftler aus über 100 Nationen ins Austria Center Vienna. Heuer findet die EGU-Jahresversammlung vom 17. bis 22. April 2016 statt. Weitere Details auf: http://media.egu.eu/registration/

Download
Pressetext
Günter Blöschl (c) IAKW-AG, bildgewaltig.at
Susanne Baumann-Söllner (c) IAKW-AG, Andreas Hofer
Hans Thybo (c) Hand Thybo
Eingangshalle EGU (c) IAKW-AG, Harry Schiffer


Über die IAKW-AG
Die IAKW-AG (Internationales Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien, Aktiengesellschaft) ist verantwortlich für die Erhaltung des Vienna International Centre (VIC) und den Betrieb des Austria Center Vienna. Das Austria Center Vienna ist mit 24 Sälen, 180 Meetingräumen sowie rund 22.000 m2 Ausstellungsfläche Österreichs größtes Kongresszentrum und gehört zu den Top-Playern im internationalen Kongresswesen. Die IAKW-AG und damit das Austria Center Vienna stehen unter der Leitung von Vorständin Dr. Susanne Baumann-Söllner. 

Kontakt
IAKW-AG – Austria Center Vienna
Mag. Elena Hajek
Pressesprecherin                                           
+43-1-26069-386
elena.hajek@acv.at