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Weggeworfenes Plastik in Flüssen verschmutzt Weltmeere  

Was mit dem Plastik in unseren Gewässern passiert und wo es schlussendlich landet ist eine der vielen Fragen mit denen sich die 14.000 internationalen TeilnehmerInnen der europäischen Jahrestagung der GeowissenschaftlerInnen (EGU) im Austria Center Vienna beschäftigen. Bei mehr als 17.500 Präsentationen in über 1.000 Sessions wird hier die Zukunft der Erde diskutiert. 

  • EGU Assembly ist die größte Versammlung von GeowissenschaftlerInnen in Europa
  • Über 14.000 TeilnehmerInnen und 17.500 Abstracts zu klimarelevanten und geowissenschaftlichen Themen
  • Eigens entwickeltes Präsentationstool PICO kommt zum Einsatz
  • Unter anderem Thema: Mikroplastik in Gewässern
    • Tendenziell ist jedes Gewässer in bewohnten Gebieten der Erde mit Plastik verschmutzt
    • Global werden ca. 300 Mio. Tonnen Plastik pro Jahr produziert und genauso viel in den Müll geworfen
    • In Europa sind es ca. 26 Mio. Tonnen Plastikmüll pro Jahr
    • Nahezu 100% Entsorgungsquote in Europa – Verschmutzung der Gewässer durch Regenwasser- und Mischwasserkanalisation 
    • Weggeworfenes Plastik landet zum Teil wieder auf unseren Teller
    • Lösung: Verzicht auf Einwegverpackungen oder diese auf ein Minimum reduzieren

Beim größten geowissenschaftlichen Kongress Europas werden auch dieses Jahr Forschungsergebnisse besprochen, die im wahrsten Sinne die Welt verändern. Eines der aktuellen Themen ist die Auswirkung von Plastikmüll auf Gewässer und Fauna. So erklärt Dr. Christian Schmidt, Spezialist für Stofftransport in Flüssen, vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig, dass nahezu jedes Gewässer weltweit mit Plastik verunreinigt ist.  

Weggeworfenes Plastik landet in Flüssen

26 Mio. Tonnen Plastikmüll produziert die europäische Bevölkerung pro Jahr, rund ein Zehntel des globalen Aufkommens. „Europa hat mit einem sehr gut ausgebauten Abfall- und Entsorgungsmanagment und eine Entsorgungsquote von nahezu 100 Prozent“, so Schmidt, „einerseits durch Recycling (30%) und thermische Verwertung (40%) andererseits durch fachmännische Lagerung auf Deponien. Im Vergleich zu Schwellen- und Entwicklungsländern wo Müll oft illegal in Gewässer entsorgt wird, werden die Gewässer in Europa hauptsächlich durch Regenwasserabläufe, zum Beispiel bei Straßen oder durch Mischkanalüberläufe, bei denen ungeklärtes häusliches Abwasser in Flüsse gelangt, verschmutzt.

Dabei gelangt Plastik in die Überläufe, die bei starkem Regen in das nächstgelegene Gewässer abfließen.“ Unachtsam weggeworfener Müll aber auch Verarbeitungsverlust, wie zum Beispiel Verpackungs- und Wärmedämmmaterialien, die von Industrie und Privathaushalten verwendet werden, werden so in die Flüsse gespült. „Das Plastikaufkommen in Gewässern ist sehr unterschiedlich. Ein Indikator für die Verschmutzung ist oft die Besiedelung im Einzugsgebiet. Das heißt je mehr Menschen ihre Abwässer theoretisch in den Fluss leiten können – umso stärker die Verschmutzung. Bei der Donau zum Beispiel leben um die 80 Millionen Menschen im Einzugsgebiet. So große Flüsse transportieren proportional auch aufgrund von nahe angesiedelter Industrie und Binnenschifferei mehr Müll in die Weltmeere“, erklärt Schmidt.

Mikroplastik im globalen Wasserkreislauf

Nach wie vor ist es noch nicht erforscht wie schnell Plastik zerfällt. „Man weiß zwar, dass Plastik verwittert, das schließt zum einen die Zerkleinerung zu Mikro- bis hin zu Nanoplastik als auch eine chemische Verwitterung ein. Dabei werden unter anderem Additive herausgelöst, wie zum Beispiel Weichmacher oder Flammschutzmittel. In welchen Zeiträumen das passiert, ist jedoch noch unklar“, so Schmidt.

Nach derzeitigem Wissensstand wird davon ausgegangen, dass Plastik in immer kleinere Stücke zerfällt und sich so, für das menschliche Auge nicht sichtbar, im Wasserkreislauf bewegt. Durch die Reibung am Gewässerbett oder anderen Treibgütern wird das Plastik mit der Zeit in mehrere Stücke zerbrochen und dann zu kleineren Plastikfragmenten zerrieben. Sind die Plastikteilchen kleiner als fünf Millimeter werden sie als sogenanntes Mikroplastik eingestuft. Dieses Mikroplastik wird dann von Tieren aufgenommen oder mit größeren Plastikteilen weiter in das Meer gespült. „Organismen in terrestrischen Gewässern sind grundsätzlich robuster, da die natürliche Partikelbelastung an sich schon größer ist. Meeresbewohner sind stärker gefährdet das Plastik aufzunehmen, da sie häufiger ihre Nahrung aus dem Wasser filtrieren“, so Schmidt.
An manchen Stellen befindet sich heute sechsmal mehr Plastik als Plankton im Meereswasser und auch das Plankton selbst reichert feinste Plastikteilchen in sich an. Wenn dieses Mikroplastik von Meerestieren aufgenommen wird, wandern die Giftstoffe letztlich ins Fettgewebe. Sie sind fettlöslich und schwer abbaubar. Durch die Nahrungskette gelangen die Gifte in immer größere Tiere und landen schließlich auch auf unseren Tellern.
„Die einzige Möglichkeit diesen Kreislauf zu unterbrechen und den Plastik-Footprint auf Dauer zu reduzieren ist ein bewussterer Umgang mit dem Thema. Ganz verschwinden wird und muss Plastik aus momentaner Sicht nie. Wir können unseren Verbrauch jedoch problemlos, vor allem durch den Verzicht auf Einwegverpackungen, auf ein Minimum reduzieren. Denn alles was an Plastik produziert wird – also mehrere Millionen Tonnen pro Jahr - bleibt sehr lange in der globalen Umwelt zurück und das mit bisher noch wenig bekannten Auswirkungen“, so Schmidt.

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